Test

Menu

  • Willkommen
  • Zur Person
  • Leistungen
    • Allgemein
    • Orthopädie
    • Innere Medizin
    • Chirugie
    • Kauf
    • Impfungen
    • Turnier
    • Auge
    • Stuten & Fohlen
  • Diagnostik
  • Partner
  • Notfall
  • Wissen
    • Allgemein
    • Atemwegs- erkrankungen
    • Behandlungs- methoden
    • Equines Herpesvirus
    • Infektions- krankheiten
    • Sehnen- erkrankungen
    • Sonst. Krankheiten
  • "sportliche" Patienten
  • Aktuelles

Wissen

  • Sommerekzem
  • Hufrehe
  • Magengeschwüre
  • Magendasseln

Interview auf Tiergesundheit Aktuell TV

Begriff

In dem Begriff des Sommerekzems ist bereits die gesamte Problematik dieser allergischen Erkrankung zusammengefasst: Der Begriff Ekzem bezeichnet eine nichtinfektiöse Entzündungsreaktion der Haut. Bei dem bei Pferden auftretenden Ekzem handelt es sich im medizinischen Fachbegriff um eine “lokale saisonal auftretende allergische Dermatitis“, das heißt: “eine auf eine bestimmte Hautregion begrenzte, durch eine Allergie ausgelöste Hautentzündung“. Da es sich bei dieser Erkrankung um eine Allergie handelt, ist sie nicht ansteckend.
Verursacht wird diese Allergie durch den Speichel von Cullicoides. Die sichtbaren Symptome entstehen durch den allergiebedingten Juckreiz.

Auslöser der Allergie: Cullicoides oder Gnitzen

Bei Cullicoides handelt es sich um eine bestimmte Art von kleinen Mücken. Die Larven sind Wassertiere, daher treten sie vermehrt an Gewässern auf, wobei sie stehende Gewässer bevorzugen. Nach dem Ausschlüpfen entfernen sich die erwachsenen Tiere nicht weiter als mehrere 100m von ihrer Brut- bzw. Schlupfstätte. Die Hauptaktivität der Gnitzen findet bei geringer Lichtintensität, hohe Luftfeuchte und Windstille statt. Besonders stechlustig sind die Gnitzenweibchen vor allem in der Dämmerung und bei Nacht. Die Gnitzen befallen beim Pferd vor allem Mähne und Schweifrübe, weswegen sich die Symptome vor allem auf diese Regionen am Pferdekörper beschränken.

Symptome

Die sichtbare Symptome des Sommerekzems äußert sich in den für Juckreiz typischen Symptomen: abgebrochene Haare und in späteren Stadien offene Wunden. Die Diagnose Sommerekzem wird dann über die typische Lokalisation der Symptome an Mähne und Schweif, sowie den Zeitraum des Auftretens zwischen Mitte April und Anfang Oktober gestellt. Bei anderen mit Juckreiz einhergehenden Erkrankungen sind andere Symptome vorherrschend: Beim Befall mit Haarlingen herrscht der Juckreiz und Haarausfall am ganzen Körper. Die Diagnose kann außerdem über den Nachweis der Parasiten im Fell gestellt werden. Bei dem Auftreten der echten Räude handelt es sich um einen Befall mit Räudemilden, die sich in die Haut des betroffenen Tieres eingraben. Die befallenen Pferde reagieren mit Knötchen am ganzen Körper und nur dezentem Juckreiz, wobei Mähne und Schweif bei dieser Erkrankung nicht betroffen sind. Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch, dass sich der Befall mit sogenannten Ekto- also außerhalb des Körpers befindlichen Parasiten, relativ schnell innerhalb eines Bestandes verbreitet. Es handelt sich hierbei als nicht wie beim Sommerekzem um eine Einzeltiererkrankung. Bei Pferden, die unter Wurmbefall leiden, zeigen sich gelegentlich Scheuerstellen am Schweif, wobei die Mähne von diesen Symptomen gänzlich unberührt bleibt. Die Stadien des Sommerekzems lassen sich in 3 aufeinanderfolgende Krankheitsbilder unterteilen:

  1. Stecknadelkopf- bis zu drei Zentimeter große Schwellungen, die Juckreiz verursachen. Dieses Symptom sieht man sehr häufig. Die Pferde haben einen verdickten Mähnenkamm und Mähne und Schweif erinnern an Schrubberbürsten. Die Tiere reagieren mit Scheuern, woraus das Krankheitsbild 2 entsteht:
  2. Haarverlust und Hautabschürfungen. Durch weiteres Scheuern entstehen dann immer tiefere Wunden. Da die natürliche Schutzschicht der Haut verloren gegangen ist, können sich Bakterien in die entstandenen Wunden setzten und es entsteht das Krankheitsbild 3:
  3. Eiternde Infektionen der Wunden und sehr tiefe offene Wunden.

Betroffene Pferde

Bei den erkrankten Pferden handelt es sich vor allem um Islandpferde, auch Shetlandponies, Friesen, Tinker, Dülmener, aber auch Warmblüter. Man hat den Eindruck das die Erkrankung in den letzten Jahren vermehrte Auftritt, aber das könnte auch mit einer allgemeinen Änderung der Haltungsbedingungen in Zusammenhang stehen. Das Verkommen von Sommerekzem bei Islandpferden war bereits häufig Gegenstand von Untersuchungen. Diese Rasse ist mit hoher Wahrscheinlichkeit deshalb so häufig betroffen, weil es auf Island keine Cullicoidesarten beheimatet sind. Die Tiere können sich deshalb nicht von Beginn ihres Lebens an mit diesem Allergen auseinandersetzen und so eine Immunität ausbilden. Die am häufigsten betroffenen Pferde scheinen aus diesem Grund Importpferde aus Island zu sein, wobei die Symptome meist im Importjahr oder bis zu 3 Jahr nach dem Import auftreten. Das Alter der Tiere spielt dabei keine Rolle. Ob eine genetische Komponente oder einen Abhängigkeit der Erkrankung von Farbe und Geschlecht besteht ist fraglich. Bei den in Deutschland beheimateten Tieren treten die Symptome zumeist nicht vor dem 4. Lebensjahr auf. Die Ausprägung der Symptome verschlimmert sich jedoch mit zunehmendem Alter.

Diagnose

Die Diagnose wird über Ausschluss eines anderen parasitären Befalls unter Berücksichtigung der Jahreszeit und der Lokalisation ohne Zuhilfenahme weiterer Tests gestellt. Einen Bestätigung der Diagnose kann durch den sogenannten CAST (Cellular-Antigen-Stimulations-Test) erfolgen. Bei diesem Testverfahren werden die histaminfreisetzenden Zellen auf ihre Sensibilisierung getestet. Die Durchführung ist auch außerhalb der Allergiezeit möglich, da die Histaminfreisetzenden Zellen dauerhaft sensibilisiert sind. Wichtig bei allen Tests zu dieser Erkrankung ist nicht auf im Blut zirkulierenden Antikörper getestet wird. Diese geben lediglich einen Hinweis darauf, das sich das Pferd mit diesem Antigen, in diesem Fall die Mücke in Kontakt getreten ist. Das sollte wohl bei allen in Deutschland lebenden Pferden der Fall sein, weswegen die Aussagekraft dieses Testes nicht besonders hoch ist. Bei der bei der Interpretation der Testergebnisse ist auch wichtig zu wissen, dass sensibilisierte Pferde nicht unbedingt erkranken müssen und, das der Test auch nicht vorhersagen kann, welche bisher gesunden Pferde später Sommerekzem entwickeln.

Therapieansatz

Die Therapie des Sommerekzems muss auf 2 Pfeilern aufgebaut werden: Die Vermeidung des Kontaktes mit den Cullicoides und die Behandlung der Symptome.

Allergenvermeidung

Wichtig bei diesem Ansatz ist das Verständnis für die Gewohnheiten der Gnitzen. Die Pferde sollten deshalb auf möglichst trockenen Weiden stehen, auf denen ständige Luftbewegungen vorherrschen. Unterstände oder Offenställe sind als Schutz vor den Insekten nicht zu empfehlen, da diese häufig weit offen sind und einen guten Windschutz bieten, was die Insekten sehr zu schätzen wissen. Möchte man die Pferde räumlich von den Insekten schützen, sollten sie nur während hellem Tageslicht auf die Weide kommen und noch vor Beginn der Dämmerung in einen mit dünnmaschigen Insektengittern ausgestatteten möglichst geschlossenen Stall gebracht werden. Natürlich kann auch das Auftragen von Insektenschutz einen gewissen Erfolg bringen, der Erfolg ist leider meistens nicht von Dauer. Ansonsten haben sich die im kommerziellen Handel erhältlichen Ekzemerdecken sehr bewährt. Es ist allerdings unbedingt darauf zu achten das sie gut sitzen und wirklich die komplette Mähnen- und Schweifregion bedeckt wird. Die Decken sollten täglich auf ihren Sitz kontrolliert werden. Es ist zu Empfehlen die Decken bereits vor dem Auftreten der ersten Symptome anzulegen (wenn das Pferd als an Sommerekzem erkrankt bekannt ist), da die Pferde in der Bekämpfung ihres Juckreizes ansonsten schnell die teuren Decken zerstören können.

Symptombehandlung

Wichtig ist natürlich die bereits erkrankte Haut zu pflegen, damit die symptome sich nicht verschlimmern und es nicht zu bakteriellen Infektionen kommt, die gerade bei der nässenden entzündeten Haut sehr häufig zusätzlich vorkommen. Bei dieser Behandlung ist der Phantasie des einzelnen Besitzers keine Grenze gesetzt: Einige Besitzer schwören auf Hautöl, andere auf Ballistol, es gibt Ekzemerpflegeöl im Reitsportgeschäft und beim Tierarzt. Bei schlimmeren Fällen wird der Tierarzt zunächst eine Cortisonhaltige Creme oder Lotion verschreiben und bei sehr hartnäckigen Fällen ein Cortisonpräparat spritzen. Damit wird der Teufelskreis aus Juckreiz und daraus resultierender Hautzerstörung mit wieder daraus folgendem Juckreiz zumindest kurzfristig unterbrochen. Andere Therapieansätze mit Baypamun®, Insol® sowie Hyposensibilierungen haben leider bisher nicht die erwarteten Erfolge zeigen können. Einen neuen Therapieansatz bietet das Fidavet Cavalesse Kit®. Bei diesem Therapeutikum handelt es sich um eine Kombination aus einer Salbe, die auf die betroffenen Körperregionen aufgetragen wird und einem über das Futter zu verabreichenden Lösung. Diese soll direkt an den histamfreisetzenden Zellen ansetzen und sie dahingehend beeinflussen gar nicht erst Histamin auszuschütten.

Wichtig bei allen möglichen Therapien ist zu beachten, dass noch keine Heilung von an Sommerekzem erkrankten Pferden möglich ist! Die betroffenen Pferde erholen sich in der gnitzenfreien Zeit, bedürfen aber jeden Sommer erneut besonderer Aufmerksamkeit und Pflege!


Interviews auf Tiergesundheit Aktuell TV

Allgemein

Hufrehe” ist ein Thema, über das viel unter Pferdehaltern diskutiert wird, und über das aufgrund von neuen Forschungsergebnissen viel Unsicherheit bei den Pferdebesitzern herrscht. Dass es für die Hufrehe keine allgemeingültige Therapie gibt, zeigt, um was für eine komplexe und schwierige Erkrankung es sich handelt. Die Erkrankung ist bei weitem noch nicht vollständig erforscht, aber man weiß doch inzwischen wesentlich mehr als noch vor ein paar Jahren. Das heißt nicht, dass wir jetzt alles über Hufrehe wissen und alle Krankheitsmechanismen erklären können. Es gibt für die Forschung noch sehr viel zu tun.

Ich werde versuchen, die komplexen Mechanismen für die Pferdehalter vereinfacht darzustellen, und dabei einige Mechanismen nicht bis in alle Einzelheiten erklären. Genauere Details liefert dann die Fachliteratur.

Zum Namen der Erkrankung: Im Fachbegriff heißt die Erkrankung Pododermatitis aseptica acuta oder chronica, was übersetzt soviel wie „akute oder chronische Entzündung der Huflederhaut ohne die Beteiligung von Bakterien“ bedeutet. Woher der Begriff „Hufrehe“ kommt ist nicht vollständig geklärt, es wird vermutet, dass das Wort vom oberdeutschen Wort „räh“ abgeleitet wurde, was so viel wie “steif“ bedeutet und auf den steifen Gang als Leitsymptom hinweist.

Die äußeren Symptome einer akuten Rehe sind zumeist allgemein bekannt, sie werden allerdings häufig von den Pferdebesitzern unterschätzt. Auch, wenn ein Pferd nur plötzlich vor allem auf hartem Boden unwillig geht, die Vorderbeine im Stand nach Vorne stellt, beim Wenden auf hartem Boden plötzlich Schmerzen zeigt, sind das auf jeden Fall Alarmsignale, die nicht übersehen werden dürfen. Wichtig ist, dass die Pferde zumeist auf weichem Boden „fast normal“ zu laufen scheinen, die Schmerzhaftigkeit zeigt sich vor allem auf hartem Boden .
Die Symptome einer schleichenden Hufrehe können so gering sein, dass sie für den Besitzer lange verborgen bleiben.

Zur Erkrankung

Die Hufrehe ist die Erkrankung der Huflederhaut, der Verbindungsschicht zwischen Hornkapsel und Hufbein.

Die Huflederhaut besteht aus einer sehr großen Anzahl von Lamellen, die, vergleichbar mit einem Klettverschluss mit doppelseitigem Klettband, die Halteschicht zwischen der Hornkapsel und dem Knochen des Hufes, dem Hufbein, darstellen. In dieser Schicht befinden sich die Blutgefäße und ein großer Teil der Nerven des Hufes, so dass ihr eine immens wichtige Rolle zukommt. Durch ihr wird das Hufbein innerhalb des Hufes in seiner Position gehalten.

Die Huflederhaut wird im Verlauf der Erkrankung massiv geschädigt, so dass sich die Verbindung zwischen Hornkapsel und Hufbein löst. Das Hufbein kann sich deshalb aus seiner Verankerung bewegen und zerstört dabei zusätzlich die Huflederhaut. Der Teufelskreis hat begonnen! Die Zerstörung der Huflederhaut kann nur bedingt wieder rückgängig gemacht werden. Insofern gibt es keine Heilung zum ursprünglichen Zustand, sondern lediglich Reparaturen. Da die Huflederhaut von vielen Nerven durchzogen ist, ist dieser Vorgang mit großen Schmerzen verbunden, die Empfindlichkeit ist in etwa vergleichbar mit der Schicht unter unseren Fingernägeln.

Klassische Begriffe, die bei der Beurteilung der Hufrehe fallen, sind folgende:

Hufbeinrotation und Absinken des Hufbeins

Bei der Hufbeinrotation verändert sich der Winkel des Hufbeines innerhalb der der Hornkapsel, beim Absinken des Hufbeins sinkt das gesamte Hufbein innerhalb der Hornkapsel ab, der Abstand zur Sohle wird dementsprechend geringer. Beide Befunde können auch in Kombination auftreten. Diese Befunde können ausschließlich röntgenologisch gestellt werden. Einen Kontrolle des Ausmaßes der Hufrehe kann bereits nach sehr kurzer Zeit durchgeführt werden, da die Erkrankung leider beim Auftreten auch der ersten Symptome bereits schon in vollem Gange ist. Die Erkrankung ist uns im Prinzip immer einen Schritt voraus und wir können nur noch versuchen, die Symptome und Folgen zu lindern.

Ursache der Hufrehe

Die Ursachen für Hufrehe kann man in drei Gruppen gliedern:

  • Metabolisches Syndrom oder Cushing
  • Futterrehe:„Vergiftungen“ durch Kohlenhydrate / Toxische Rehe „Vergiftung durch toxische also „giftige“ Substanzen
  • Mechanische Belastungen

Metabolisches Syndrom oder Cushing

Die Erkrankungen Metabolisches Syndrom und Cushing sind für sich allein wieder so komplex, dass sie gesondert abgehandelt werden müssen. Auf sie werde ich hier nicht im Besonderen eingehen.

Futterrehe / Toxische Rehe

Die Futterrehe ist meistens die klassische Formen der Hufrehe, ihre Ursachen werde ich kurz versuchen, zu erläutern.

Entgegen der weit verbreiteten herkömmlichen Vermutung spielt Eiweiß bei Hufrehe keine Rolle. “Eiweißvergiftung” ist kein klassischer Auslöser für Hufrehe. Inzwischen weiß man, dass nicht das Eiweiß, sondern bestimmte Kohlenhydrate im Futter der Pferde die Auslöser für Hufrehe sind. Unter Kohlenhydraten versteht man Zucker, Stärke und Fruktan, die Speicherformen der Energie der Pflanzen. Wenn ein Pferd auf der Weide oder nach dem Plündern des Futterwagens eine akute Hufrehe bekommt, ist nicht das Eiweiß, sondern die aufgenommenen Kohlehydrate daran schuld.

Das Problem der Kohlenhydrate

Die Zusammensetzung der Bakterienflora im Darm unterliegt einem sehr empfindlichen Gleichgewicht. Wird durch eine zu schnelle Futterumstellung die Darmflora überfordert, kommt es zu Verdauungsstörungen, da die Bakterienflora sich nicht schnell genug anpassen kann.

Normalerweise werden Kohlenhydrate im Dünndarm des Pferdes in ihre Bestandteile zerlegt und aufgenommen. Kommen jetzt plötzlich größere Mengen auf einmal als üblicherweise im Dünndarm an, ist der Dünndarm überfordert und die nicht aufgenommenen Kohlenhydrate gelangen in den Blinddarm und Dickdarm des Pferdes. Dort haben sie nichts zu suchen, denn die Bakterienflora ist im Dickdarm nicht auf die Verarbeitung nennenswerter Mengen von Kohlenhydraten eingerichtet. Die Folge ist eine Übersäuerung des Darminhaltes, was ein Massensterben von Bakterien bewirkt, die die Übersäuerung nicht vertragen. Hoch giftige Bestandteile der abgestorbenen Bakterien (Endotoxin) können jetzt durch die Darmwand in den Kreislauf gelangen. Diese Toxine schädigen über einen komplizierten Mechanismus die Blutgefäße in der Huflederhaut. Wodurch es zu Durchblutungsstörungen und damit zu Schäden in der Huflederhaut kommt.

Das gleiche geschieht, wenn geringe Mengen eines leicht verdaulichen Kohlenhydrates aufgenommen werden, das vom Pferd normalerweise im Dünndarm gar nicht verarbeitet werden kann. Dies ist der Fall bei Fruktan. Fruktan wird vom Pferd im Dünndarm nicht verarbeitet bzw. resorbiert, weshalb es in den Dickdarm kommt. Dort hat es nichts verloren, weshalb es ebenfalls zu einer entsprechenden Störung der Bakterienflora und deren Folgen kommt.

Was ist das geheimnisvolle FRUKTAN?

Bei Fruktan handelt es sich um ein Kohlenhydrat, also eine Speicherform der Energie für die Pflanze für „schlechte Zeiten für die Pflanze“. Wenn sie aufgrund der Witterungsbedingungen (Kälte, Nässe) nicht in der Lage ist ihre aufgenommene Energie in Wachstum umzusetzen, wird in der Pflanze vermehrt Fruktan gespeichert. Deshalb ist das Gras nach Nachtfrösten an sonnigen Morgen außerordentlich fruktanhaltig. Die Pflanze bekommt viel Energie durch die Sonneneinstrahlung, kann aber aufgrund der Kälte nicht wachsen. Es gibt auch besonders fruktanarme- oder haltige Pflanzen. Bei der Aussaat auf Pferdeweiden sollte daher darauf auf die Auswahl der Pflanzen geachtet werden. Fruktane sind zwar auch im Heu vorhanden, ob sie unter realen Bedingungen gesundheitsgefährdend sind, ist aber doch sehr fraglich.

Nach diesen beiden Erklärungen sollte jedoch klar sein: Nicht nur der Fruktangehalt, sondern die absolut aufgenommene Menge an Gras mit allgemein hohem Kohlenhydratgehalt kann eine Rehe auslösen. Das ist in der Auswirkung ähnlich, als wenn ein Pferd unkontrolliert den Futterwagen plündert!

Toxische Rehe

Der Mechanismus der toxischen Rehe entspricht dem der durch Kohlenhydrate ausgelösten Hufrehe, allerdings werden Toxine auch durch andere Erkrankungen wie Kolik, Infektionen oder Nachgeburtsverhaltungen (sogenannte Geburtsrehe) ausgelöst. Die daraus resultierende Schädigung der Blutgefäße bleibt die gleiche.

Belastungsrehe

Eine Belastungsrehe tritt meistens dann ein, wenn das Pferd nicht in der Lage ist, wegen starker Schmerzen in einem Bein das andere ausreichend periodisch zu entlasten. Bei voller Lastaufnahme wird das Blut aus dem Huf gepresst, bei Entlastung füllt sich das Gefäßsystem wieder. Wird dieser Pumpmechanismus lange genug unterbunden, weil das Pferd nicht auf dem anderen Bein stehen kann, kommt es zur Unterversorgung der Huflederhaut und der Hufbeinträger löst sich.

Therapie der Hufrehe

Wichtig ist für die Pferdebesitzer, bereits zu Anfang der Erkrankung zu wissen, dass es sich um eine sowohl zeit-als auch kostenintensive Therapie handelt.

Wenn man eine Therapie der Hufrehe beginnt, sollte man diese niemals halbherzig durchführen, da bei halber Therapie der Erfolg nicht nur halb so gut, sondern im schlimmsten Fall gar nicht gegeben ist. Dabei gilt es mit vielen überholten Mythen bzw. Theorien aufzuräumen, und die neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse zu erläutern.

Die Therapie der Hufrehe kann für alle Beteiligten sehr frustrierend sein, da man als Tierarzt fast immer zu spät kommt. Zu spät deshalb, weil die Symptome (Lahmheit) erst sichtbar werden, wenn der Hufbeinträger bereits geschädigt ist.

Die Frustration liegt darin begründet, dass man als Tierarzt oft nur versuchen kann, zu retten, was noch zu retten ist. Dies heißt nicht, dass man den meisten Pferden nicht helfen kann. Ganz im Gegenteil: man muss diesen Pferden helfen. Mit entsprechendem Aufwand und Geduld kann man relativ vielen Pferden wieder zu einer normalen Einsatzfähigkeit verhelfen. Grundvoraussetzung für einen anhaltenden Erfolg ist dabei, dass der Reiter gewillt ist, sich auf die Haltungs-, Fütterungs-, Beschlags- und Belastungsrichtlinien einzulassen, die für sein Pferd adäquat sind.

Um Erfolg zu haben, muss bei der Therapie der Rehe an mehreren Punkten gleichzeitig angesetzt werden.

Ein Grundproblem bei der Behandlung der akuten Rehe liegt darin, dass Anzeichen eines akuten Reheschubes erst auftreten, wenn die Verbindungsschicht zwischen Hufbein und Hornkapsel (die Huflederhaut) bereits erheblich geschädigt ist. Die Schmerzen treten erst auf, wenn sich die Verbindung löst und das Hufbein sich aus seiner Position zu drehen oder senken beginnt. Erst mit diesem mechanischen Prozess treten die klassischen Reheschmerzen auf. Dann ist es aber eigentlich schon zu spät, da Die Huflederhaut bereits weit geschädigt ist. Behandlung also eigentlich immer zu spät.

Was nicht heißt, dass auf eine Therapie verzichtet werden kann!!

Die Therapieansätze sind sehr vielfältig, und ich erhebe keinen Anspruch darauf, dass die von mir angewendete Therapie die einzig richtige ist. Ich kann nur aufgrund der klinischen Anzeichen davon ausgehen, dass den Patienten damit geholfen wird.

Medikamentelle Therapie

Bei dem Einsatz von Medikamenten ist der Hauptanteil die Gabe von Entzündungshemmern.

Je früher Entzündungshemmern eingesetzt werden, desto eher können die entzündlichen Prozesse, die den Hufbeinträger zerstören, gebremst oder gar aufgehalten werden. Außerdem wird der Teufelskreislauf des durch den Schmerz bedingten Stresses abgemildert.

Bei ganz akuten Reheschüben scheint ein Aderlass die Therapie zu unterstützen. Bei dem Aderlass mit anschließender Infusion der abgelassenen Blutmenge mit Kochsalzlösung kommt es zumindest kurzfristig zu einer Verdünnung des Blutes, was sich positiv auf die Durchblutung des geschädigten Blutgefäßsystems im Hufbeinträger auswirkt. Um dieses Verdünnung weiterhin zu erhalten, kann zusätzlich Heparin gegeben werden.

Mechanische Unterstützung

Die zweite entscheidende Säule bei der Therapie einer akuten Rehe ist die mechanische Entlastung des Hufes. Darunter versteht man Maßnahmen, die den mechanischen Prozessen Hufbeinrotation und Hufbeinsenkung entgegensteuern und die Durchblutung wiederherstellen.

Dass ein Pferd mit Hufrehe in einer tief und weich eingestreuten Box stehen muss, ist selbstverständlich. Ideal ist relativ tiefer, weicher Sand, sonst eine tief eingestreute Spähnebox.

Zusätzlich können Hufpolsterverbände angebracht werden, bei denen der vordere Bereich des Hufes, an dem die Strahlspitze Druck ausübt, von seinem Druck entlastet wird. Ich verwende dabei Styroporplatten und Hufpolster, die genau auf den Huf des Patienten zugeschnitten werden.

Fütterung

Das Problem der Fütterung trifft die Besitzer besonders hart. Dem Pferd geht es schlecht und hungern muss es außerdem noch! In der Regel müssen die Pferde abspecken. Zu bedenken ist, dass jedes Gramm, das dem Pferd nicht auf seine schmerzenden Hufe drückt, ihm Erleichterung verschafft. Da Kohlenhydrate in jedem Fall von Hufrehe die Symptome verschlimmern können, wird in der Regel alles Kraftfutter entzogen. Die Fütterung beschränkt sich auf energiearmes Heu, am besten aus dem zweiten oder noch besser dritten Schnitt des Vorjahres. Auch auf die Gabe von Silage sollte verzichtet werden. Wichtig ist natürlich trotzdem die Gabe von Mineralfutter ohne Kohlenhydrate.

Zur Gabe von angepriesenem Futter für Hufrehepatienten denke ich, dass ein Diabetiker auch nicht unbedingt Diabetikerschokolade essen muss, tut er es, ist es aber besser, als würde er normale Schokolade essen. Das akute Hufrehepferd kann auch ohne Probleme ohne dieses Futter auskommen.

Wichtig zu wissen ist auch, dass sich in Äpfeln oder Bananen große Mengen von Kohlenhydraten befinden, die Fütterung sollte auch damit sehr stark reduziert werden.

Hufbeschlag

An einen Hufbeschlag ist erst dann zu denken, wenn das akute Stadium der Rehe abgeklungen ist, da das Anbringen von Nägeln in die Huflederhaut einen erneuten Reiz für die empfindliche Huflederhaut darstellt, der wiederum in den Teufelskreis der akuten Hufrehe münden kann. Das Ankleben von Hufschuhen, um diesen Problem aus dem Weg zu gehen, hat sich nicht unbedingt als Vorteil erwiesen, da der Kleber bei der chemischen Reaktion des „Anklebens“ sehr heiß wird und ebenfalls einen Reiz für die Huflederhaut darstellen kann.

Das wichtigste bei dem Anbringen eines Hufrehebeschlages ist die Zusammenarbeit zwischen Hufschmied und Tierarzt. Den Hufrehebeschlag gibt es nicht, jede Form der Hufrehe und die damit zusammenhängenden Veränderungen gibt es nicht. Daher muss der Hufrehebeschlag für jedes Pferd individuell in Kombination mit den Röntgenbefunden und der äußeren Form der Hufe sowie der Hufstellung unter Berücksichtigung der Größe und des Gewichtes des erarbeitet werden. Wichtig sind in diesem Zusammenhang aktuelle Röntgenbilder, da sich die Lage des Hufbeins in der Hornkapsel innerhalb von 24h drastisch verändern kann.

Idealerweise sollte das Pferd im Zeitraum des Beschlages, auch, wenn es bereits ohne Entzündungshemmer zurechtkommt, wieder mit diesen versorgt werden, um ein erneutes Aufflammen der Entzündungsreaktion durch den Reiz des Nagelns zu verhindern.

Wichtig ist zu beachten, dass die Hufrehe immer in einer chronischen Erkrankung mündet. Sie bedarf unbedingt dauerhafter Beachtung und Pflege, damit die Pferde ein symptomfreies Leben führen können.

Dauerhafte Therapien

Für den Patientenbesitzer ist der Satz „ einmal Hufrehe, immer Hufrehe“ leider bezeichnend. Das heißt nicht, dass das Pferd zeitlebens ein Patient bleiben muss, das Pferd hat lediglich nach einer Hufreheerkrankung eher die Veranlagung, erneut daran zu erkranken.

Um dem Pferd trotzdem Weidegang zu ermöglichen, hat sich ein sogenannter Weidemaulkob oder auch „Fressbremse“ bewährt. Er verhindert, dass die Pferde große Mengen an Gras in kurzer Zeit aufnehmen können. Auch wenn es zuerst unfair erscheint, ist diese Maßnahme nur eine kleine Unannehmlichkeit im Vergleich zu den Schmerzen, die das Pferd bei einer Hufreheerkrankung erleiden muss.

Ohne einen vernünftigen, mitarbeitenden Pferdebesitzer ist die gesamte Therapie leider zum Scheitern verurteilt!!!

Magengeschwüre beim Pferd

Magengeschwüre sind beim Pferd viel häufiger, als man denkt, die Symptome sind eher unspezifisch und die Diagnose recht schwierig.

Durch Untersuchungen konnte festgestellt werden, dass vermutlich bis zu 60% der Dressur- Spring- und Vielseitigkeitspferde unter Magengeschwüren leiden. Bei Traber sind es 60 bis 80%, und bei im Galoppsport trainierten Vollblütern bis zu 90% der sich im Training befindenden Tiere.

Aber auch bei Freizeitpferden nimmt die Erkrankung mit Magengeschwüren zu: Auch bei diesen Pferden konnten bei bis zu 30% der Pferde Magengeschwüre gefunden werden.

Wie entstehen Magengeschwüre?

Wichtig zu wissen ist, dass sich der Magen des Pferdes in einen säureempfindlichen und säureunempfindlichen Teil gliedert. Der säureunempfindliche Teil befindet sich im unteren Bereich des Magens und der säureempfindliche im oberen Bereich. Steigt der Magensäurespiegel im Magen, so wird kommt auch die säureempfindliche Schicht mit der Magensäure in Berührung. Die Magenschleimhaut hat jedoch auch körpereigene Schutzmechanismen: Sie ist in der Lage, die Säure zu neutralisieren und die Schleimhaut wird zusätzlich durch Schleimsubstanzen geschützt. Übertrifft die Magensäureproduktion aber die Schutzmechanismen, kann die Säure die Schleimhaut angreifen. Der Effekt ist dem ähnlich, als wenn ein Mensch zuviel Ananas gegessen hat, und die Mundschleimhaut Defekte - also Löcher - bekommt. Allerdings können wir Menschen die weitere Zufuhr des säurehaltigen Nahrungsmittels einstellen und die Schleimhaut kann sich wieder regenerieren. Sie verfügt unter normalen Umständen über großartige Reparationsmechanismen. Beim Pferd jedoch schwappt die Magensäure weiter kontinuierlich gegen die entstandenen Läsionen und vergrößert sie unter Umständen.

Ursachen der Erkrankung beim Pferd

Fütterung

Beim Pferd erfolgt die Produktion der Magensäure kontinuierlich 24h am Tag. Dadurch ist das Pferd an das kontinuierliche Fressverhalten in freier Wildbahn angepasst. Dadurch, dass das „zivilisierte“ Pferd nicht kontinuierlich frisst, sondern seine Mahlzeiten auf wenige Portionen aufgeteilt bekommt, fehlt der „Puffereffekt“ des Futters. Die Magensäure wird nicht vom Futter aufgenommen, sondern der Säurespiegel steigt im leeren Magen. Die Magensäure hat dabei die Gelegenheit in den oberen säureempfindlichen Teil des Magens hochzusteigen. Um diesem Geschehen Einhalt zu gebieten, müsste das Pferd Nahrung ( am besten Heu) aufnehmen, um die Magensäure zu reduzieren, aber leider sind die Pferde von den Fütterungszeiten abhängig. Zudem verursachen die Magengeschwüre per se Magenschmerzen, wodurch empfindliche Pferde ganz den Appetit verlieren, oder bei der Futteraufnahme reizen die Futterpartikel die Läsionen zusätzlich, sodass sich die Magenschmerzen der Pferde noch verstärken.

Durch hohe Gaben von kohlenhydratreichem Futter (also Kraftfutter mit viel schnell verfügbarer Energie) wird die Magensäure zusätzlich „angesäuert“. Werden die Kohlenhydrate nämlich in ihre Bestandteile zerlegt, ergeben sich als kleinste Partikel Glucose, also Zuckereinheiten, die, auch wenn sie süß schmecken, chemisch als Säuren wirken.

Rohfaser also Heu und Stroh wirkt durch seine Ballaststoffe säureneutralisierend und kann zusätzlich wie ein Schwamm die Säuren „aufsaugen“.

Training

Je intensiver ein Pferd trainiert wird, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Pferd an Magengeschwüren erkrankt. Dabei spielt vor allem die Geschwindigkeit eine Rolle. Es wird davon ausgegangen, dass gerade bei der schnellen Arbeit im Galopp bei Rennpferden der Magen durch das Zusammendrücken der Bauchmuskulatur zusammengedrückt wird, und die Magensäure in den empfindlichen Teil gedrückt wird.

Weiterhin wird vermutet dass der „Stress“ den Pferd bei erhöhtem Training empfinden zu einer erhöhten Magensäureausschüttung führt, so dass der Magensäurespiegel schon per se erhöht ist. Außerdem werden im Training befindliche Pferde zumeist kraftfutterlastig gefüttert, wodurch der zusätzliche oben erklärte Fütterungseffekt eintreten kann.

“Stress“

Das Pferd führt in der freien Wildbahn ein eher stressarmes Leben. Wenn es nicht gerade vor Feinden fliehen muss (was in der Regel innerhalb von wenigen Sekunden oder Minuten passiert), läuft es den ganzen Tag im Schritt umher und frisst oder döst. Die Belastungen sind dementsprechend immer nur sehr kurz und der Rest verläuft eher friedlich. Das zivilisierte Leben verursacht unseren Pferden Stress: Trainingsprogramm, Wechsel zwischen Boxen- und Weidehaltung, neue Kollegen treffen, Transporte, neue Umgebung etc. Auch wenn das Pferd nach außen hin unbekümmert wirkt, sind diese ständigen Wechsel Ursache für den Anstieg der Ausschüttung von Magensäure.

Kommen dann noch weiter Faktoren (siehe Fütterung, Training oder Krankheit) hinzu, ist die Bildung von Magengeschwüren begünstigt.

Krankheit

Krankheiten können über mehrere Faktoren Ursachen von Magengeschwüren sein:

  • Stellt das Pferd wegen der Erkrankung die Futteraufnahme ein, entspricht der Mechanismus der bei der Fütterung erklärten Problematik.
  • Durch Schmerzen bekommt das Pferd „Stress“, das heißt, die Magensäureproduktion ist ohnehin schon erhöht.
  • Zur Therapie eingesetzte Medikamente verursachen - auch wenn sie nicht ins Maul gegeben werden - teilweise als Nebenwirkung Schädigungen an der Magenschleimhaut.

Symptome / Diagnose von Magengeschwüren beim Pferd

  • Wiederkehrende Koliken , vor allem direkt nach der Futteraufnahme
  • Schlechtes (selektives) Fressen
  • Gewichtsverlust
  • Zähneknirschen
  • Plötzlich apathisches Verhalten
  • Einstellen der Futteraufnahme nach Gabe von Entzündungshemmer /Schmerzmitteln

Diese Symptome können für sich allein viele Ursachen haben und müssen nicht zwingend Magengeschwüre als Ursache haben. Die mögliche Ursache Magengeschwüre sollte lediglich bei diesen Erkrankungen „im Hinterkopf behalten“ werden.

Eine exakte Diagnose kann nur über einen Gastroskopie (Magenspiegelung) erfolgen. Allerdings wird die Diagnostik aufgrund des Anschaffungspreises des Gerätes (18000€ und mehr) meist nur stationär in Kliniken durchgeführt und der Patient muss vor der Untersuchung mindestens 12h hungern. Was die Symptome (siehe Fütterung und Stress) noch verstärken bzw. verursachen kann.

Bei begründetem Verdacht kann daher eine sogenannte „symptomatische Therapie“ durchgeführt werden. Das bedeutet, man therapiert und beurteilt dann den Erfolg. Verbessern sich die Symptome unter der Therapie, hat die Erkrankung mit hoher Wahrscheinlichkeit vorgelegen.

Therapie

Bei der Therapie von Magengeschwüren gibt es grundsätzlich zwei verschiedenen Vorgehensweisen:

Schutz der Schleimhaut

Bei diesem Therapieansatz werden dem Pferd Fütterungsarzneimittel über das Futter gegeben, die die Magenschleimhaut mit einer Schutzschicht überziehen und damit der Schleimhaut darunter die Möglichkeit geben, zu Ruhe zu kommen und durch ihre Reparationsmechanismen zu heilen.

Reduktion der Ausschüttung von Magensäure

Dabei wird dem Pferd ein Arzneimittel ebenfalls über das Maul verabreicht, das die Ausschüttung der Magensäure in den Magen reduziert. Dadurch wird die Ursache der Erkrankung selbst abgestellt und die Magenschleimhaut kann ebenfalls heilen. Diese Methode ist ausgesprochen effektiv.

Der betreffende Wirkstoff Omeprazol, der beim Pferd diesen Effekt erzielt, wird nur von einer einzigen Firma vertrieben, weswegen das Medikament leider relativ teuer ist.

Zusätzlich sollten die in Frage kommenden Ursachen, falls möglich, ausgeschaltet werden, um eine möglichst rasche Heilung zu erreichen.

Die Magendasseln parasitieren fast ausschließlich bei Unpaarhufern, also bei Pferden, Eseln oder Maultieren. Seltener kommen sie auch bei Hunden und auch beim Menschen vor und werden hier als "Hautmaulwurf" bezeichnet, da sie sich unter der Haut entlangfressen. Als Symptom bilden sich rote Linien unter der Haut. Die Entwicklung wird in diesen Fehlwirten jedoch nicht abgeschlossen, und die Larven gehen im zweiten Larvenstadium zugrunde. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist daher nicht möglich (nur die Dasselfliege liegt die infektiösen Eier: siehe Lebenszyklus). Bei der Dasselfliege handelt es sich um eine acht bis 18 Millimeter große braune Fliege, die dicht behaart und von hummelähnlicher Gestalt ist.

magendassel_1.jpg
© Firma Merial

Die Dassellarve (Magendassellarve) ist eine rötlich-braune, tonnenförmige, circa 1,5 Zentimeter lange Larve mit mehreren Dornenreihen am Rumpf und kräftigen Mundhaken.

magendassel_2.jpg
© Firma Merial

Lebenszyklus

Die begatteten Weibchen der Magendasseln fliegen ihre Opfer an und legen die Eier in das Fell und verkleben sie dort. Die häufigste europäische Art nutzt bevorzugt dabei den Brust- und Bauchbereich oder die Beine zur Eiablage.

magendassel_3.jpg
© Firma Merial

Aus den vor allem an den Vorderbeinen, Schultern und Flanken abgesetzten Eiern schlüpfen die Larven (Larve I) erst nach Berührung mit dem Speichel des Wirtstieres und haken sich mit den Mundhaken in der Zunge oder der Wange fest. Durch Belecken dieser Stellen gelangen die Larven I in die Maulhöhle. Sie bohren sich in die Schleimhaut der Maulhöhle und verweilen hier für drei bis vier Wochen. Es kann zu Schwellung des weichen Gaumens und Entzündung der Zunge, gefolgt von Kau- und Schluckbeschwerden, kommen.

Nach ihrer darauf folgenden Verpuppung und Häutung zur Larve II wandern sie in ihren eigentlichen Ansiedlungsort im Magen. Mit Hilfe ihrer Mundhaken bohren sie sich als Larve II und später als Larve III tief in die Magenschleimhaut ein, was chronische Magenschleimhautentzündungen mit Geschwürbildung zur Folge hat. Gelegentlich kommt es sogar zu Magendurchbruch mit nachfolgender Bauchfellentzündung.

Die reifen Larven III werden nach einem acht- bis zehnmonatigen Aufenthalt im Magen zu Beginn der warmen Jahreszeit schließlich mit dem Kot ausgeschieden. Ihre nachfolgende Verpuppung findet in der Außenwelt statt. Nach einer Puppenruhe von drei bis vier Wochen schlüpfen die Dasselfliegen und beginnen unmittelbar nach der Paarung mit der Eiablage. Die Fliegen besitzen keine Mundwerkzeuge zur Nahrungsaufnahme. Daher überleben sie höchstens drei Wochen, in denen sie die Eier ablegen.

magendassel_4.jpg
© Firma Merial

Erkennung

Abgesehen von der Magenspiegelung (Gastroskopie) stehen keine sicheren Routineverfahren zur Erkennung des Befalls mit Magendassellarven beim Pferd zur Verfügung. Auch findet man nur selten Larven im Kot. Im Sommer und Herbst sind die an den Haaren abgelegten Eier ein Hinweis für einen zu erwartenden Befall. Als klinische Erscheinungen können Koliken, wechselnder Appetit, Durchfall, Abmagerung und Blutarmut auftreten. Besonders bei Fohlen sind Entwicklungsstörungen, Leistungsminderung, verringerte Widerstandskraft und selten auch Todesfälle zu beobachten. Bekämpfung

Eine medikamentelle Abtötung der Larven im Verdauungstrakt der Pferde führt zur Unterbrechung des Entwicklungszyklus. Durch geeignete Präparate sind die Wanderlarven und die bereits festsitzenden Magendasseln abzutöten. Es sollten möglichst alle Pferde behandelt werden, um das Risiko einer Neuinfektion im folgenden Sommer deutlich zu reduzieren.

Zeitpunkt der Entwurmung

Um den empfohlenen Zeitraum der Entwurmung nachvollziehen zu können, ist es wichtig, den Lebenszyklus der Magendassel zu kennen. Es ist wichtig, den Zeitpunkt zur Bekämpfung abzupassen, an dem die Larven bereits in den Magen gewandert sind. Die erwachsenen Dasselfliegen in Mitteleuropa haben nur eine kurze Flugperiode von Ende Juni bis August (vereinzelt bis Ende Oktober). Zur Eiablage bevorzugen die Weibchen warme und sonnige Tage. Die geschlüpften Larven (siehe Lebenszyklus) benötigen etwa drei bis vier Wochen bis sie von der Schleimhaut des Schlundes bis in den Magen gewandert sind.

Daher gibt es lediglich einen Termin, ab dem frühestens entwurmt werden sollte (nicht vor Mitte November), aber keinen zu späten Termin. Allerdings sollten die Pferde spätestens vor Austrieb auf die Weiden entwurmt werden, um eine Verseuchung der Weiden mit den Larven III zu vermeiden.

Allerdings: Je länger die Larven sich in der Magenschleimhaut befinden, desto größer ist ihre Schadwirkung für Ihr Pferd! Als unterstützende Bekämpfungsmaßnahme wird empfohlen, die am Haarkleid der Pferde anhaftenden Eier zu entfernen.

© 2008-2012 Dr. Nina Rödig - Impressum